Jetzt
gibt's Gewinde!! (aber mit "Haken":-((
Tja,
der alte Ra-Trieb, d.h. der, den ich jetzt seit dem letzten Umbau
am benutze, kam so langsam ans Ende seiner Tage. Der große Drehkranz,
der ja ein recht "offenes" Lager hat im wahrsten Sinne des Wortes,
verdreckte (wahrscheinlich?) immer mehr, so daß er immer schwergängiger
lief, bis das Getriebe es schließlich nicht mehr schaffte, ihn
zu drehen. Außerdem gab es mittlerweile zwei große Backlashstellen,
also Stellen, wo die verbindung zwischen zwei Drehteilen ausgeschlagen
war, was hieß: erst nach fast etlichen Motorachsenumdrehungen
bewegte sich das Teleskop überhaupt. Nun, aber wie der Herr Zufall
es so wollte (herzlichen Dank dafür, Herr Zufall!!:-) begab ich
mich vor ca. einem halben Jahr mal wieder zu meinem Leib- und Magen
Schrottplatz, wo mir prompt einer der Mitarbeiter dort befehligte,
ihm zu folgen! Dieser Mensch weiß mittlerweile, was ich suche,
und gegen einen entsprechenden Obolus legt er mir schon mal was auf
die Seite. So auch diesmal: ein ca. 55 cm. D. messender Zahnkranz,
aus einer wahrscheinlich nicht- oder nur schwer rostenden Legierung,
sieht aus wie Alu, ist aber Voll Metall, keine Ahnung, was das ist,
sieht aber guuut aus!!:-) Für'n 40.ger (40€, ja der Schrottpreis
war verdammt hoch zu der Zeit!!) war es dann drei-zwei-eins-meins.
Es wurde erst mal zu Hause ein halbes Jahr eingelagert, aber jetzt
kam es wie gerufen.
Ich überlegte: soll ich das ganze Teleskop auseinander nehmen,
oder, kann man es nicht einfach so lassen, und mittels Flaschenzug
unter dem Hüttendach aufhängen, nachdem die Gabel unten
auf dem alten Drehkranz gelöst war? Ja, das war am Einfachsten,
das Dach mußte lediglich etwas abgestützt werden, schließlich
ist es ja ein freitragendes Schiebedach. Immerhin galt es hier gute
70-80 Kg aufzuhängen! Ok, also, die Flex, Jan Hammer und Inge
Meißel dabei, um die Verschweißungen zu lösen, und
nach geraumer Weile knackte und krachte es gewaltig und das ganze
Teleskop samt Gabel war von dem Drehkranz gelöst.

Es machte schon einen beängstigen Ruck nach "Hinten", als die
ganzen Kilo's freies Spiel hatten!:-), man darf ja nicht vergessen,
daß der Drehkranz für 52° geneigt ist!! Glücklicherweise
setzte das hintere Ende der Spiegelbox auf die Sitzfläche auf,
die dort angebracht ist, siehe Bild unten.

Der neue Drehkranz hat nun leider eine Eigenschaft, die ihn vom Alten
unterscheidet: er ist dreigeteilt! Oberteil, der eigentliche, halbgekapselte
Lagering und das Unterteil, an dem zusätzlich ringsherum eine
relativ feine Verzahnung angebracht ist. Ursprünglich wollte
ich den Antrieb über diese Verzahnung machen, das hätte
aber eine zusätzliche Anzahl von Zahnrädern, bzw. Untersetzungen
erfordert, die dann alle wieder mehr Spiel ins Spiel bringen! Bis
mir durch meine eigene Webseite (Stangentrieb) und Andreas Krick
die Idee mit dem -ja, eben: Stangentrieb kam! Dazu benötigte
ich eine 2 Meter Gewindestange, die ein Fachmarkt im Nachbarort besorgen
konnte. Die wurde dann vorsichtig gerundet, einfach, in dem ich sie
um den Drehkranz bog, an den Enden kamen je eine Lasche , mittels
einer M 6 Schraube mit Mutter wurden die Enden der Gewindestange dann
zusammengezogen, und sie preßte sich schön "rund" um den
Drehkranz. (Im Bild unten am rechten Bildrand zu sehen. Ursprünglich
wollte ich alles verschweißen, aber es stellte sich heraus,
daß Verschrauben besser ging, so kann man später dann auch
mal wieder etwas umbauen (hoffe ich ja nicht..!!:-) Ein Freund
half mir schließlich das Teleskop wieder auf seinen, jetzt neuen-
Platz zu hieven, große Schraubklemmen hielten es zunächst
in dieser Position fest, bis ich nach und nach die Verschraubungen
angebracht hatte. Es war schon ein spannender Moment, als ich die
ersten zaghaften manuellen Dreh- und Schubsversuche mit dem neuen
Ra- Antrieb versuchte, es war aber auch eine Freude zu sehen, wie
leicht es sich jetzt bewegte. Erst jetzt machte sich aber auch bemerkbar,
daß gegenüber des Deklinationsantriebs eine gehörige
Portion Gegengewicht fehlte, es zog mächtig "Richtung Boden"
(oben im Bild also nach hinten unten) Leicht lief es ja, hmm--, eigentlich
ZU leicht!! Es sollte schon ein kleines bißchen Hemmung da sein,
damit nicht später die zartesten Schwingungen schon bemerkbar
waren. (An dieser Stelle des Überlegens und Grübelns waren
aber noch nicht die zusätzlichen Kugellager montiert,
siehe dazu weiter unten)
Eine Schwierigkeit lag in der Dreiteilung des Lagers,bedingt durch
die Polausrichtung der Montierung zieht die Schwerkraft das Teleskop
natürlich enorm nach "hinten", ich mußte mir also etwas
einfallen lassen, wie man die drei Teile des Zahnkranzes verbinden,
und trotzdem leicht drehbar halten kann. Da kam mir die Idee mit den
Kugellagerhaltern (siehe Bild)
Zuerst, bei lediglich zwei Haltern, merkte man, wie in gewissen Positionen
des Ra-Triebs der Kranz ein wenig auseinander ging, immer natürlich
dann, wenn die Halter sich durch Verdrehen aus der "höchsten"Position
wegbewegten. Also wurden noch ein paar mehr angebracht, und schon
lief es! In dem Bild oben im Drehkranz sieht man einen "Spanner"(einen,
der nicht sofort verhaftet wird!!:-))der zieht das obere Kugellager,
bzw.den Halter schön auf Spannung, so daß der obere Teil
des Drehkranzes nicht- und auch nicht ein wenig!- nach hinten (Richtung
Betrachter) weg drücken kann. Und zwar, wie oben schon
mal bemerkt, jetzt mit einer gewissen Portion Hemmung, aber dennoch
völlig ruckfrei. Ich hätte dieses Lager mit ins Bett nehmen
können, einfach supi!:-)))
Jetzt fehlte noch der Antrieb. Auch hier ergab sich eine recht einfache
Lösung: am Ende der Antreibsgewindestange, oder besser: Pseudo
Schnecke, wurde eine Gewindehülse aufgeschraubt, und mit Loctide
(der EINZIG wirkliche Superkleber, 5g ca. 15€!) fixiert. Diese
Hülse paßt genau in dem Mittelloch eines vorhandenen Kugellagers
(Mist! Meine Kugellager gehen zur Neige...!:-) Jetzt mußte ich
nur noch was "erfinden", damit sich die Stange nicht herausdrückte
aus dem Antrieb, zuerst versuchte ich es mit Andruckrollen, die sich
aber als kleine "Klemmer" herausstellten, später kam mir die
Idee, zwei 10.-Schrauben aufzuschweißen, und mit einem Lochblech
dazwischen, welches durch jeweils eine Mutter drunter und drüber
eingestellt und fixiert werden konnte. Dieses Lochblech, auch eingefettet,
hält die Schneckenstange vertikal in Position, und zwei kleine
Imbussschrauben (die einen runden Kopf haben!) passen zufällig
so, daß die Schnecke sich nicht auch nach vorne raus drücken
kann.
Für jemand, der jahrelang mit Backlash im Bereich von 10-15 Bogenminuten
gelebt und fotografiert hat!, war es schon ein kleines Wunder zu sehen,
daß jetzt, wenn der Motor hochlief, auch das Teleskop sich sofort
bewegte, und zwar in beiden Richtungen!! (Ich weiß natürlich,
daß es eigentlich so auch sein soll, aber als Selbstbastler
kriegt man es oft gar nicht so hin alles!!) Auf dem Bild sieht man
übrigens schön unten, den alten, jetzt defekten Drehkranz,
und dardauf geschraubt, der Neue! Am linken Ende der "Gewindestangen
Schnecke" wurde später noch eine 8mm Mutter angeschweißt,
und mit einer 8mm Stellschraube konnte man den Anpressdruck der "Schnecke"
justieren.
Aber, aber, das große "Aber":
erste Test's ergaben eine winzige, und (leider) nur im CCD
Bereich (bzw. auf dem PC Schirm)erkennbare Wackler, im Moment ist
es fast nicht möglich, ausreichende Mengen an brauchbaren 10
Sekunden Aufnahmen zu gewinnen, (was die Höchstbelichtung der
WATEC ist), jedes zweite, dritte Bild zeigt statt Sterne kleine Striche,
allerdings nur "in Stunde"! Also keine "Windstörungen", sondern
irgendwo im Antrieb liegt der "Wurm". Aber ich hab noch ein paar Test's
dafür auf Lager, schlimmstenfalls muß ich davon ausgehen,
daß die Gewinde doch nicht ausreichend genau geschnitten sind
vom Werk her, notfalls kann ich dann doch wieder zur Kette zurück,
aber davon berichte ich hier später..
Ja,ich kann an dieser Stelle schon
mal sagen: ich habe es nicht geschafft, diese winzigen Wackler
beseitigen zu können, was hier zu der Schlußfolgerung führt:
Für den visiuellen Betrieb ist dieser Antrieb optimal, grundsätzlich
der Kette vorzuziehen, aber für den CCD Gebrauch, zumindestens
im Zusammenhang mit diesem Drehkranz, oder einer anderen, mir nicht
bekannten Ursache, ungeeignet, für mich heißt das:
Nachtrag: diese Geschichte ist nun auch schon
wieder passe', das galt so bis Ende 2006, aber!!:Das Abenteuer geht
weiter......